Sozialpsychiatrie

Kinder werden heute oft schon sehr früh an den wachsenden Leistungsstandards gemessen. Sie haben vielleicht bei Ihrem Kind Probleme oder Veränderungen bei schulischen Leistungen oder im Verhalten beobachtet oder wurden von anderen darauf angesprochen? Dann machen sich Eltern häufig Gedanken darüber, ob es sich nur um “normale” Entwicklungsphasen handelt oder ob etwas Ernsteres dahintersteckt. Wir helfen Ihnen in unserer Praxis gern weiter.

Teilleistungsstörungen sind Leistungsdefizite in begrenzten Teilbereichen, wie z. B. Rechnen, Lesen, Rechtschreiben, Sprechen oder der Motorik. Diese können trotz hinreichender Intelligenz, regelmäßiger Förderung sowie körperlicher und seelischer Gesundheit der betroffenen Kinder vorliegen. Die Schwächen können die Schulleistungen beeinträchtigen, sodass die Betroffenen ihr Potential nicht ausschöpfen können. Die Probleme können bis in das Erwachsenenalter anhalten. Sie sollten fachkundige Hilfe wahrnehmen. Nachhilfe und Üben allein reichen nicht.

Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen

    AVWS

    Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (AVWS)

    Quelle: S1- Leitlinie „Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungstörungen“

    Hören ist einer unserer wichtigsten Sinne, es dient dazu akustische Signale aus der Umwelt zu erkennen, wahrzunehmen und zu verarbeiten. Besonders wichtig ist dabei die Wahrnehmung von Sprachsignalen, denn sie dienen unserer täglichen Kommunikation.

    Bei den Auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (AVWS) ist die Verarbeitung von Hörreizen im Gehirn beeinträchtigt. Es liegt keine Störung des Hörens an sich vor, die betroffenen Kinder können also leise Geräusche oder Töne ohne Probleme hören. Allerdings ist die Weiterverarbeitung des Gehörten nicht regelgerecht. Das bedeutet, dass das Identifizieren oder Unterscheiden von akustischen oder sprachlichen Signalen gestört sein kann. Außerdem kann auch das Erkennen der Entfernung bzw. der Richtung (Lokalisation) des Gehörten, das Herausfiltern von Störgeräuschen (Selektion) oder das Hören mit beiden Ohren gleichzeitig (dichotisches Hören) betroffen sein.
    Betroffene Kinder können beispielsweise Schwierigkeiten haben:

    • beim Hören und Verstehen bei gleichzeitigen Hintergrundgeräuschen
    • im Klassenzimmer gesprochenen Instruktionen zu folgen
    • beim Erkennen und Unterschieden von Sprachlauten
    • ihre Aufmerksamkeit dauerhaft auf akustische Signale zu richten
    • beim Lesen und Schreiben

    Die Störung kann isoliert auftreten oder in Kombination mit anderen Störungen (z.B. Aufmerksamkeitsstörungen, Hyperaktivität, Lernstörungen, Störungen von Gedächtnisfähigkeiten, Spracherwerbsstörungen, Einschränkung der allgemeinen Intelligenz).

    Diagnostik

    Um eine AVWS feststellen zu können, ist es wichtig verschiede Tests zu kombinieren. Neben einer ausführlichen Anamnese ist es besonders wichtig, dass eine Schädigung des Hörorgans und somit eine Hörminderung ausgeschlossen werden kann. Dafür werden verschiedene Hörtests durchgeführt (z.B. Richtungshören). Außerdem sollten anhand der individuellen Beeinträchtigungen weitere Test durchgeführt werden, z.B.:

    • Sprachtests
    • auditive Merkfähigkeitstests
    • auditive Unterscheidungstests

    Therapie

    Die Therapie von AVWS sollte auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes zugeschnitten werden, dabei wird an verschiedenen Bereichen angesetzt. Ziel ist es die Beschwerden und die Alltagsfunktionen zu verbessern. Dabei sollten Kind, Eltern und Lehrer eng mit den behandelnden Ärzten und Therapeuten zusammenarbeiten. Bestandteile der Behandlung können folgende sein:

    • Therapie der eingeschränkten Leistungsbereiche
    • Erlernen kompensatorischer Strategien
    • Verbesserung der Umgebungsbedingungen in der Schule und Zuhause
      VVWS

      Visuelle Verarbeitung- und Wahrnehmungsstörungen (VVWS)

      Quelle: Sk2 Leitlinie „Visuelle Wahrnehmungsstörungen“

      Unter einer Störung der visuellen Verarbeitung und Wahrnehmung versteht man eine Störung der Reizverarbeitung im Gehirn, Seheindrücke können dabei nicht richtig verarbeitet werden. Das bedeutet, die betroffenen Kinder können Reize aus der Umwelt scharf sehen, haben aber beispielsweise Schwierigkeiten ihre Lage im Raum richtig zuzuordnen oder sie eindeutig von anderen Reizen zu unterscheiden.
      Diese Probleme können die Entwicklung der Kinder beeinflussen, so können, je nach Ausprägungsgrad der Störung, zum Beispiel:

      • die motorische Entwicklung
      • der Wortschatzerwerb
      • oder auch Fertigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen

      beeinträchtigt sein.
      Die Forschung hat gezeigt, dass häufig ein Zusammenhang mit Entwicklungsstörungen (z.B. Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitäts-Syndrom, Lese-/Rechtschreibstörung oder Dyskalkulie) besteht.

      Diagnostik

      Für die Erstellung einer Diagnose wird zunächst die Funktionsfähigkeit des Auges überprüft. So werden zum Beispiel die Sehschärfe, die Augenbeweglichkeit oder auch die Augenstellung untersucht. Wichtig ist auch eine genaue Anamnese der Beschwerden, wann fallen dem Kind Leseaufgaben beispielsweise besonders schwer. Außerdem sollten verschiedene neuropsychologische Test durchgeführt werden, diese können zum Beispiel folgendes testen:

      • die Objekt- und Gesichterwahrnehmung
      • das Unterscheidungsvermögen zwischen Formen bzw. Formen und Hintergrund
      • die visuelle Aufmerksamkeit
      • die räumliche Wahrnehmung

      Therapie

      Die Behandlung visueller Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen umfasst neben therapeutischen und pädagogischen Ansätzen auch eine angemessene Gestaltung des Umfeldes. Das Ziel der Behandlung liegt primär in der Verminderung von Alltagsbeeinträchtigungen. Direkte Hilfen könnten beispielsweise sein:

      • Vergrößerung der Texte
      • kontrastreich gestaltete Arbeitsblätter mit einfarbigem Hintergrund
      • klare Strukturierung
      • Reduktion von Umgebungsreizen
      • zusätzliche Beleuchtung

      Teilleistungsstörungen

      Leserechtschreib- und Rechenschwäche

      Wenn Ihr Kind Probleme hat, sich in der Welt der Zahlen und Buchstaben zurechtzufinden, sind immer auch Sie als Eltern gefragt. Unter Fachleuten wird davon ausgegangen, dass in Deutschland 4% der schulpflichtigen Kinder von einer Legasthenie betroffen sind. Als solche haben sie Probleme mit der Umsetzung von gesprochener in geschriebene Sprache und umgekehrt.

      Ursächlich für diese Störung können neben einer genetischen Disposition auch Schwierigkeiten in der auditiven und visuellen Wahrnehmungsverarbeitung sein. Das heißt, die Verarbeitung der Sprache und vor allem der wahrgenommenen Laute ist gestört. Es wurde bis heute keine allgemein zutreffende Ursache für Legasthenie gefunden. Ähnlich ist die Situation bei der Rechenschwäche (Dyskalkulie), bei der die Betroffenen Schwierigkeiten haben mit den mathematischen Zeichen und Formeln. Eine plausible Erklärung wie eine Mangel an Intelligenz oder gar Faulheit gibt es nicht. Jedoch kann man mit großer Gewissheit sagen: Wer in einer hoch entwickelten und von Schriftzeichen und Zahlen geprägten Welt aufwächst, hat nur geringe Chancen, wenn er nicht lesen, schreiben und rechnen kann.

      Bei einer frühzeitigen Problemerkennung und einer rechtzeitigen Förderung ist es jedoch möglich diese Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen.

      Viele Kinder haben anfänglich spezifische Probleme im Umgang mit Zahlen oder Buchstaben. Haben Sie das Problem jetzt allerdings schon seit mehreren Wochen oder Monaten bemerkt und besteht ein Leistungsunterschied zu den Mitschülern, sollten Sie handeln.

      Sollten Sie den Verdacht haben das Ihr Kind an (Leserechtschreibschwäche, -schwierigkeit oder –störung) oder einer Dyskalkulie leidet sollten Sie einen Termin zur Diagnostik bzw. Beratung vereinbaren. Es sollten körperliche Ursachen der Schulprobleme (wie beispielsweise einer Schwerhörigkeit, chronische Mittelohrentzündung oder Sehschwäche) ausgeschlossen werden.

      Anhaltspunkte für eine Leserechtschreibschwäche

      Rechtschreibung

      • Werden von Ihrem Kind beim Schreiben Buchstaben ausgelassen?
      • Werden Buchstaben spiegelbildlich geschrieben?
      • Gibt es auffallend viele Grammatikfehler?
      • Hat Ihr Kind eine hohe Fehlerquote bei ungeübten Diktaten?
      • Gibt es Fehler beim Abschreiben von Texten?
      • Schreibt Ihr Kind Wörter in demselben Text unterschiedlich falsch?
      • Zeigt Ihr Kind eine Abneigung gegen das Schreiben?

      Tipp: Manche Kinder kennen ihre Schwächen und versuchen sie zu kaschieren. Dann müssen auch Sie als Elternteil etwas trickreich vorgehen. Fällt Ihnen zum Beispiel eine unleserliche Handschrift auf, welche nicht erkennen lässt, ob ein Buchstabe vorhanden ist oder fehlt, lassen Sie das Wort noch mal schreiben. Fällt bei selbst geschriebenen Texten auf, dass die Sprache nicht so reich ist wie im Gespräch, vermeidet Ihr Kind eventuell die Wörter schreiben zu müssen, nach dem Motto: Wer wenig schreibt, macht wenig Fehler.

      Lesen

      • Kann Ihr Kind gelesene Text nicht oder nur in Bruchstücken wiedergeben?
      • Errät Ihr Kind die Wörter mehr als sie zu lesen? Hat es dabei einen fragenden Unterton?
      • Ist die Lesegeschwindigkeit niedrig?
      • Häufiges Stocken beim Lesen?
      • Fällt Ihnen ein Überspringen von Textzeilen, Silben oder Wörtern auf?
      • Gibt es eine Abneigung gegenüber Lektüre?
      • Ist Ihr Kind gut im Rechnen, scheitert jedoch öfter an Text- bzw. Sachaufgaben? (starkes Indiz für eine Leserechtschreibstörung -> Buchstaben stehen dem Zahlenverständnis im Weg)
      • Verschluckt Ihr Kind beim Vorlesen Endsilben?

      Tipp: Auch beim Lesen sind Kinder geschickt in der Lage Schwächen zu verbergen, indem sie ganze Teile (Wörter, Zeilen und Absätze) auslassen oder Dinge „dichten“. Aus diesem Grund ist es sinnvoll den Text mitzulesen.

      Hören, Sprechen, Lernverhalten

      • Fällt Ihnen ein Unvermögen auf längere oder komplizierte Wörter nachzusprechen?
      • Bemerken Sie ein fehlerhaftes Hören/Verstehen von Einzellauten?
      • Verwechselt Ihr Kind Buchstabenfolgen?
      • Nuschelt Ihr Kind und hat eine ungenaue Aussprache?
      • Besteht Lustlosigkeit bei der Erledigung von schriftlichen Hausaufgaben?
      • Ist Ihr Kind unruhig und leicht ablenkbar?
      • Sind die Leistungen im Lesen und Schreiben schlecht bei ansonsten durchschnittlicher und guter Begabung?

      Anhaltspunkte für eine Dyskalkulie

      • Kommen häufig Zahlendreher vor?
      • Werden einfache Zahlenzusammenhänge nicht erkannt? (nach vorangegangener Lösung der Aufgabe 6+2 erscheint die Aufgabe 6+3 als völlig neue Aufgabe)
      • Versucht Ihr Kind ein Lösungsschema auf alle Rechenarten zu projizieren?
      • Benutzt Ihr Kind die Finger als Zählhilfe auch beim Rechnen im Zahlenbereich über 10?
      • Gibt es keinen Erfolg trotz Übungsfleiß?
      • Werden Größenangaben willkürlich kombiniert?
      • Wird das Rechnen mit der Zahl 0 nicht beherrscht?
      • Werden Grundrechenarten vertauscht?
      • Kann Ihr Kind keine Sachaufgaben lösen?
      • Fällt Ihnen ein lautgetreues Schreiben auf? (aus dreihundertvierzig wird 30040)
      • Hat Ihr Kind Schwierigkeiten mit dem Ablesen der Uhrzeit und dem Umgang mit Geld?
      • Wird beim Rechnen die Stellenwertigkeit von Zahlen nicht berücksichtigt? (60+3=90)
      • Hat Ihr Kind Probleme bei Platzhalteraufgaben? (2+3=5 wird bewältigt, 2+x=5 nicht)

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